Geschichte

Immer wieder war Gernot Hertl an der Liegenschaft vorbei spaziert. Die Enge, die Steilheit aber auch die schwierige Belichtungssituation am Nordhang wirkten zunächst abschreckend. Aber je öfter er sich dort umsah, desto mehr erkannte er das verborgene Potential, das an diesem Ort schlummerte. Der freie Ausblick auf das smaragdgrüne Wasser der Enns, das immer andere Lichtstimmungen reflektiert. Die Lage unmittelbar am Flussufer und doch in der Stadt. Der schöne Altbaumbestand, der im Sommer Kühle und Schatten spendet. Eigentlich suchte die Familie nur ein Gartenhäuschen am Land, um im Sommer mit den Kindern Zeit im Grünen verbringen zu können – als Ausgleich zum urbanen Wohnen im Hochhaus.

Aber Gernot Hertl liebt die Herausforderung, Besonderes zu schaffen und so entschied er sich, die Liegenschaft an der Enns als Dependance des Architekturbüros zu erwerben. Sein Plan war einfach wie genial und mit Sicherheit absolut unorthodox. Statt Nutzflächenmaximierung erfolgte eine radikale Reduktion. Er begann zunächst Dach und Decken abzutragen, um den Altbau komplett zu entkernen und auszuhöhlen. Das Kellergewölbe wurde erhalten. Am Ende blieben nur die Außenmauern des Bestandsgebäudes stehen, die nun über zwei Geschosse einen großzügigen, von oben lichtdurchfluteten Innenhof umschließen. Aus statischen Überlegungen wurden diese alten Mauern durch einen 2 Meter hohen Sichtbetonrost ergänzt.

„Wenn man beginnt den Putz abzuschlagen, beginnt das Gebäude Geschichten zu erzählen“, berichtet Gernot Hertl. Also wurden die alten Mauern komplett vom Putz befreit und verwandelten sich zu lebendigen, abwechslungsreich strukturierten Flächen. Die ersten Gebäudeteile gehen auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Später wurde im Osten und Westen dazu gebaut und das Gebäude auf die heutige Dimension vergrößert. Verbaut wurde, was Vorort vorhanden war. So bestehen die Mauern des Untergeschosses aus Bruchsteinmauerwerk aus dem Sandstein der Enns, ergänzt durch Findlinge aus dem Flussbett. Im Obergeschoss hatte man hingegen Ziegel vermauert.

Wer nun vom Flussufer aus den Blick auf das Gebäude hat, den beeindruckt die Reduktion auf das Wesentliche, die Harmonie des wunderbar frei gelegten, alten Gemäuers mit der Durchdringung des neuen Gartenhauses in all seiner Schlichtheit aus gegossenem Beton. Und man kann sich schon vorstellen wie Jazzkonzerte in lauen Sommernächten swingen und Vernissagen-Publikum durch die Höfe flaniert. Es sollte ein „Ort des Seins“ werden, wie Gernot Hertl sagt. Es ist ein Ort der Inspiration geworden!


(Volker Dienst)

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